Die Werkstätte Gemeinwesenarbeit (GWA) am bifeb 

Seit 40 Jahren Kompetenzzentrum der Gemeinwesenarbeit

Der Ring Österreichischer Bildungswerke brachte ihr damaliges Reformprojekt der gemeindebezogenen Erwachsenenbildung (EB) am bifeb ein. 1979 startete ein Team aus Vertreter_innen des bifeb (u.a. August Pöhn) und des Rings (u.a. Hannelore Blaschek) die Werkstätte Gemeinwesenarbeit (GWA). Dieses Team erweiterte sich bald um Aktivist_innen aus der Gemeinde- und Regionalentwicklung (u.a. Anton Rohrmoser), in der Folge um weitere Vertreter_innen aus EB-Organisationen und der Sozialen Arbeit.

Ab 1979 etablierte sich die GWA in jährlichen Tagungen mit über 200 Projekten als Impulsgeberin des bildungs-, sozial- und kulturpolitischen Handelns in der gesellschaftskritischen EB-Praxis. So war die GWA in der EB etwa Pionierin bei der Einführung aktivierender Methoden wie Zukunftswerkstätten. In der Folge setzten sich Prinzipien und Methoden der GWA in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Programmen und Projekten, zum Beispiel in Form von Bürger_innenbeteiligung, Raumplanung, Integrationsmaßnahmen, durch.

Tagung Gemeinwesenarbeit 2022

Raum (zurück)gewinnen
für eine emanzipatorische und solidarische Gesellschaft

19. bis 21. Oktober 2022

Die Leitfragen der Tagung 

  • Welche Räume aber benötigen wir für eine solidarische emanzipatorische Gesellschaft, in denen Diskurse und Aushandlungen stattfinden?
  • Welche Räume brauchen Erwachsenenbildung, Gemeinwesenarbeit, Kulturarbeit und soziale Bewegungen?
  • Was lernen wir aus der Pandemie?
  • Welche Bedeutung haben physische Räume für emanzipatorische Kollektivierungs- und Bildungsprozesse?
  • Welche neuen Räume können entwickelt oder (zurück)gewonnen werden?

Tagung Gemeinwesenarbeit 2022

Dauer: 19.10.2022 bis 21.10.2022 Anmeldung bis: 03.10.2022 Referent_in: Referent/innen-Team

Termine & Arbeitszeiten
Mittwoch, 19. Oktober 2022, 14:00 – 18:00 Uhr
Donnerstag, 20. Oktober 2022 09:00 – 12:30; 14:00 – 18:30 Uhr
Freitag, 21. Oktober 2022, 09:00 - 12:00 Uhr

Kontakt
Regina Schusterbauer, regina.schusterbauer@bifeb.at, +43 6137 6621-100

Tagungstext

Die Jahre der Pandemie und der sie begleitenden Einschränkungen veränderten gewohnte Muster und Praktiken der Raumnutzung nachhaltig. Aufenthaltsbegrenzungen und Abstandsregeln hatten Einfluss auf die Nutzung öffentlicher Räume und in den Wohnungen mussten viele Aufgaben bewältigt werden, für die in vielen Fällen eigentlich kein Platz war. Außerdem wirkt die zunehmende Verschränkung von virtuellem und realem Raum ambivalent: Sie eröffnet neue Möglichkeiten, birgt aber auch Risiken, insbesondere durch die Normalisierung von Kontrolle und Restriktionen.

Das Verhältnis zwischen öffentlichen, privaten und digitalen Räumen hat sich nachhaltig verändert. Der Staat wandelte dabei sein Bild zwischen einem aktiven, unterstützenden und autoritären Gesicht. Die Zivilgesellschaft verlor Räume, Möglichkeiten sich zu organisieren oder musste sich umorientieren und Aktivitäten in digitale Räume verlagern. Dahingegen entstanden auch neue soziale Bewegungen. Die Bewegung der Coronaskeptiker*innen entdeckte die Straße als Protestraum, war aber durchsetzt von rechtsextremen und patriarchalen – also antiemanzipatorischen Ideen. Antirassistische, feministische sowie queere Bewegungen versuchten die Straße ebenso wieder zurück zu erobern, genauso wie die Klimabewegung.

Welche Räume aber benötigen wir für eine solidarische emanzipatorische Gesellschaft, in denen Diskurse und Aushandlungen stattfinden? Welche Räume brauchen Erwachsenenbildung, Gemeinwesenarbeit, Kulturarbeit und soziale Bewegungen? Was lernen wir dabei aus der Pandemie? Welche Bedeutung haben physische Räume für emanzipatorische Kollektivierungs- und Bildungsprozesse? Welche neuen Räume können entwickelt oder zurückgewonnen werden?

Bei der diesjährigen Tagung stehen diese Fragen im Mittelpunkt, insbesondere mit Blick auf die Raumbedarfe von marginalisierten Gruppen, die über wenig Privatsphäre verfügen und auf den öffentlichen Raum angewiesen sind Wegen der fehlenden Aussicht auf eine Post-Corona-Zeit – eine Rückkehr zum Bisherigen würde in vielen Fällen keine Besserung bieten – wird auch über den Umgang der Gemeinwesenarbeit und der Erwachsenenbildung mit Unsicherheiten, über Möglichkeiten des Treffens sowie über Kommunikation auf Distanz nachgedacht.

Gemeinwesenarbeit, wichtiger denn je 

Die GWA versteht sich als freie Arbeit am Gemeinwesen, auch im Verständnis einer „befreienden Praxis“ im Sinne Paolo Freires. Hauptziel ist dabei, Probleme von Bürger_innen oder Minderheiten in Gemeinden oder Stadtteilen als gesellschaftliche Probleme zu erkennen, zu analysieren und zu lösen. Handlungsanleitend sind hierfür Bildung im Gemeinwesen sowie solidarische und demokratische Grundwerte.
Allerdings gilt es zu bedenken, dass Gemeinwesenarbeit ebenso wie Gemeinwesen, Zivilgesellschaft usw. nicht per se kritisch, gut, fortschrittlich und nachahmenswert ist (Dieter Oelschlägel; Sabine Stövesand). Gemeinwesenarbeit ist mitunter auch anfällig, sich durch dritte Parteien vereinnahmen zu lassen. Daher sind kritische Bildung und gesellschaftspolitische Reflexion in der gemeinwesenorientierten Erwachsenenbildung zentral.

2021 konstituierte sich die GWA-Steuerungsgruppe neu und besteht heute aus acht Vertreter_innen von Organisationen der Erwachsenenbildung und einem Vertreter der Sozialen Arbeit: 

  • Wolfgang Kellner (Ring Österreichischer Bildungswerke)
  • Stefan Vater (Verband Österreichischer Volkshochschulen)
  • Gerda Daniel (Arge-Region Kultur)
  • Rahel Baumgartner (Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung)
  • Christoph Stoik (FH Campus Wien, Soziale Arbeit)
  • Simon Andreas Güntner (TU Wien, Raumsoziologie)
  • Cornelia Primschitz (bifeb)

Mehr Informationen zur Gemeinwesenarbeit am bifeb