Neue Ausgabe des Magazin Erwachsenenbildung: Corona, Demokratie und politische Bildung

Vor welchen Herausforderungen steht die politische Bildung angesichts der Corona-Krise? Und was sind ihre Aufgaben? Jetzt im Magazin erwachsenenbildung.at!

"Corona, Demokratie und politische Bildung. Ansatzpunkte, Deutungen, Zugänge": So lautet der Titel der aktuellen Ausgabe des Open-Access-Journals Magazin erwachsenenbildung.at. Herausgegeben von Sonja Luksik (Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung - ÖGPB) und Stefan Vater (Verband Österreichischer Volkshochschulen - VÖV) zeichnet das Magazin ein Bild voller Vielfalt, Diskrepanzen und Deutungsunterschiede – hier ein Einblick.

Eine Münze für den Demokratie-Automaten
Rein ins Tanzlokal – eine kleine Münze reicht, um das Lied zu hören, auf das man gerade Lust hat. Wenn es nach der Demokratie- und Kriegsforscherin Daniela Ingruber geht, feiert die Jukebox spätestens seit 2020 ein Revival – allerdings in Bezug auf unseren Umgang mit Demokratie. "Demokratie, so der Tenor, ist für mich/uns da – nicht umgekehrt", fasst die Autorin die gesellschaftliche Lage zusammen und beschreibt die Entwicklungen hin zu einem "DemokratieMISSverständnis". Sie plädiert für eine politische Bildung, die Unbequemes anfasst und Begriffe faktenbasiert zurechtrückt.

Wie gehen wir mit den Querdenker*innen um?
Der Sammelbegriff der Querdenker*innen verdeckt, dass es sich um eine heterogene Gruppe von Menschen handelt, die sich politisch zu Wort melden, und die man sehr unterschiedlich beschreiben kann.

Die Bildungswissenschaftler*innen Martin Haselwanter und Bernd Lederer wie auch Catrin Opheys und Helmut Bremer heben in ihren Beiträgen unterschiedliche Aspekte der Bewegung hervor. Sie sind sich jedoch einig, dass die Bewegung meist politisch rechts verortet wird, es aber dennoch eine heterogene Gruppe ist – mit teils linken Wurzeln (bzw. mit Teilnehmenden, die sich selbst als "links" verorten).

Haselwanter und Lederer kommen zu dem Schluss, dass es in der politischen Bildung v.a. darum geht, die Unentschiedenen und die Widersprechenden zu erreichen. Den inneren Kern der Querdenker*innen könne man zumindest irritieren.

Opheys und Bremer heben hingegen u.a. hervor, dass Teilnehmende der Corona-Protestbewegungen über unterschiedliche Ressourcen verfügen, um sich einzubringen. Weniger Privilegierte seien dabei öfter darauf angewiesen, dass privilegierte Akteur*innen zu Wort kommen, die auch öffentlich entsprechend wahrgenommen werden. Das berge das Risiko, von Rechten vereinnahmt zu werden. Genau hier müsse die politische Bildung ansetzen – indem sie sich selbst als Akteurin versteht, die Anliegen der Menschen aufgreift und damit in Verbindung stehende Lern- und Bildungsprozesse fördert.

Pandemie bringt mehr Arbeit für Frauen
Geld gibt es aber keines. Die Rede ist von Sorge- und Reproduktionsarbeit. Der Rückgriff auf traditionelle Geschlechterrollen ist während der Pandemie noch stärker als ohnehin schon, erfährt man im Interview von Sonja Luksik (ÖGPB) mit der Politikwissenschaftlerin Gundula Ludwig. „Jeder Staat basiert auf ungleicher, vergeschlechtlichter Arbeitsteilung – das ist sozusagen sein ‚Back-up‘“, sagt Ludwig.

Dies funktioniere über Geschlechterkonstruktionen: Sie suggerieren, dass Frauen "von Natur aus" besser im Kinder-Erziehen oder der Altenpflege sind. Und sie sorgen dafür, dass die Gesellschaft so tun kann, als ob Sorgearbeit keine wirkliche Arbeit sei, sondern es dabei um "Liebe" ginge.

Anstatt diese Herrschaftsverhältnisse aufrechtzuerhalten, gelte es, andere Formen der Politik zu entwickeln, in denen die Frage aufkommt, was gesellschaftlich wichtige Arbeit ist und wie wir diese jenseits von Machtverhältnissen organisieren können, so Ludwig.

Pandemie-Management: eine neoliberale Anleitung
Im Zentrum des Beitrags von Stefan Vater (VÖV) steht die These, dass Neoliberalismus und Pandemie-Politik Parallelen aufweisen. So sieht er im Umgang mit der Pandemie eine Reduktion auf das, was für den Kapitalismus wichtig ist: Arbeit und Reproduktion. Als Beispiel nennt er u.a. geschlossene Theater, Bibliotheken und Schulen während der Lockdowns bei gleichzeitigem Weiterbetrieb von Büros, Fabriken oder Consultingagenturen. Aber auch im Social Distancing sieht er u.a. das Merkmal eines (dem Neoliberalismus entsprechenden) radikalen Individualismus.

Der Autor spitzt den Vergleich zwischen Neoliberalismus und pandemie-bedingter Strategien zu und hinterlässt offene Fragen rund um Solidarität, gesellschaftliche Spaltung und Freiheit.

Text: Redaktion/CONEDU

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