Digitalisierung in der Erwachsenenbildung – ein Rück- und Ausblick der Arbeitsgruppe dig.lab

Am bifeb widmet sich die Arbeitsgruppe dig.lab der Erkundung von Möglichkeiten und Herausforderungen in der Kombination von digitalen Formaten und konventionellen Präsenzformaten in der Erwachsenenbildung. Mit diesem Text möchten wir ein Resümee über Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr ziehen und Entwicklungsoptionen in diesem Feld skizzieren.

Erwachsenenbildung „hybrid“

Ein Schlagwort des Jahres 2021 für die Digitalisierung von Veranstaltungen am bifeb ist zweifelsohne der Begriff „Hybrid“. Viele Angebote, die zuvor in konventionellen Präsenzformaten abgehalten wurden, erfuhren unter dem Begriff „Hybride Veranstaltung“ eine Ergänzung um Teilnehmer_innen, die online zugeschalten wurden. Was genau unter dem Attribut hybrid dabei im Hinblick auf Veranstaltungen zu verstehen ist, ist keineswegs eindeutig und bedarf einer kurzen Einordnung: Die Besonderheit von hybriden Formaten liegt in der synchronen Einbindung von Teilnehmer_innen in Online- und Präsenzräumen.[1] In Abgrenzung dazu ist eine Übertragung einer Präsenzveranstaltung für Online-Teilnehmer_innen besser als „Live-Streaming“ zu bezeichnen, eine Veranstaltung in der sich Präsenz- und Onlinephasen abwechseln, besser als „Blended Learning“. Hybride Formate zielen auf ein ähnliches Erleben der Veranstaltung in Präsenz und online ab, die Teilnehmer_innen sollen sich möglichst in gleichem Maße Weise beteiligen und lernen können. Interaktionen finden damit zwischen Präsenzteilnehmer_innen, zwischen Online-Teilnehmer_innen aber auch zwischen diesen beiden Gruppen statt. In der Praxis ist dies jedoch oft eher als Zielsetzung, denn als Zustandsbeschreibung zu verstehen.

How to go hybrid in der Erwachsenenbildung?

Dieser Anspruch stellt die Organisation von Veranstaltungen vor neue technische und didaktische Herausforderungen. Am bifeb konnte die Arbeitsgruppe dig.lab im September 2021 eine (hybride) Weiterbildung anbieten, die sich genau diesen Herausforderungen widmete. Die Erkenntnis daraus: Am besten überlegt man vorher mit Blick auf die Ziele und Zielgruppe(n) der Veranstaltung gründlich, ob und warum eine Veranstaltung in hybrider Form stattfinden soll. Online-Streaming als schlichte Ergänzung zur Präsenzveranstaltung bringt häufig nicht das erhoffte Ergebnis einer gleichen Einbindung der Teilnehmer_innen. Dazu ist insbesondere eine spezifische Planung abgestimmt auf die zu erwartende Teilnehmer_innenzahl, entsprechende technische Infrastruktur, die Interaktion zwischen präsenz- und Online-Teilnehmer_innen ermöglicht, sowie eine Verteilung von Moderationsaufgaben an mehrere Personen nötig. Falls ein hybrides Format den Zielen der Veranstaltung nicht dienlich ist, gibt es dazu meist gute Alternativen. Andererseits gibt es Potenziale hybrider Veranstaltungen, die noch kaum erprobt wurden – ihnen wendet sich die Arbeitsgruppe 2022 zu.

Qualität in Online-Veranstaltungen

Was macht gute Qualität in Online-Veranstaltungen aus, woran lässt sie sich festmachen und wie letztlich steigern? Das war nach einem raschen und unfreiwilligen Onlinegang 2020 die Kernfrage für viele EB-Anbieter im Jahr 2021 - und sie begleitete auch die dig.lab-Gruppe durch das Arbeitsjahr. Technische Qualität ist zweifellos ein wesentlicher Teil der Antwort[2]. Im Rahmen des EBcamp 2021 wurden jedoch weitere Aspekte identifiziert. Demnach hat Qualität viel mit Teilhabe zu tun, und diese wird durch die Reduktion auf wenige einfache Tools, durch anschauliche Darstellungen und intuitive Kommunikationsformen erleichtert. Auch das bewusste Anknüpfen an Präsenzgewohnheiten erleichtert die digitale Inklusion. Ein weiterer Qualitätsaspekt ist eine hohe Interaktivität mit zahlreichen Kooperations- und Diskussionsmöglichkeiten (entsprechend der ausgeprägten Beziehungs- und Diskussionskultur der Erwachsenenbildung). Konkret bedeutet das, auch online in einem guten und lebendigen Kontakt miteinander zu sein, und das in wechselnden Sozialformen - jeweils gut abgestimmt auf das jeweilige Ziel und mit einfachen Werkzeugen. Und schließlich kommt Qualität auch zustande durch eine gesundheitsbewusste Gestaltung von Online-Veranstaltungen: mit ausreichend Pausen und Nachdenkphasen, eventuell mit Musik und Spiel und Bewegung, und in einer geschützten Privatsphäre – so lernt es sich auch online leichter.

Bedeutung von Lerngruppen/Communities of Practice

Communities of Practice haben sich schon nach dem ersten Lockdown gebildet, um unter Kolleginnen und Kollegen mit- und voneinander zu lernen, Erfahrungen und Tipps auszutauschen und neue Techniken oder Methoden risikoarm miteinander zu testen. Ihre Gelingensbedingungen wurden schon 2020 von der dig.lab-Gruppe im DigiTalk diskutiert[3]. 2021 haben sie ihre praktische Bedeutung beibehalten, blieben Gesprächsthema in der dig.lab-Gruppe und wurden im Rahmen des EBmooc focus in ein Video übersetzt.[4]

Ihre Formen sind vielfältig - Beispiele sind der EdchatDE (ein Twitterchat für Lehrende und Bildungsinteressierte), die Interessensgruppen auf EPALE  zusammenfinden oder der SVEB.space des Schweizerischen Verbands für Erwachsenenbildung, oder auch die Foren eines laufenden MOOCS (wie des EBmooc focus), Stammtische oder Barcamps. Lernen erfolgt dabei immer miteinander und informell.

Wie geht es weiter?

In nächsten Schritten möchte das dig.lab in Zukunftsszenarien für Bildungsanbieter in der Verbindung von Präsenz- und Onlineräumen blicken:

  • Welche technischen Innovationen stehen zur Verfügung, und wie sind sie für die Bedürfnisse in der Erwachsenenbildung adaptierbar? Hier sind etwa 3D-Räume zu nennen, in denen die Unterscheidung zwischen Präsenz und Online insbesondere bei AR (Augmented Reality) ggf. in Kombination mit VR (Virtual Reality)  verschwimmt.

  • Wie funktionieren hybride Formate, die gleich mehrere Präsenzräume verknüpfen und welche Möglichkeiten bieten diese für die Zusammenarbeit von Häusern und Standorten?

  • Bildungsanbieter und -häuser stehen unter einem gewissen Digitalisierungsdruck. Wie können sie sinnvoll damit umgehen? Wie können sie ihre Räumen so gestalten, dass sie als flexible Lernräume den unterschiedlichen Bedürfnissen der Lernenden gerecht werden?

  • Welche didaktischen Konsequenzen bringt die Digitalisierung von Bildungsangeboten mit sich? Wo liegen die Potenziale eines vernetzten Online-Lernens in Hinblick auf den Lerngewinn?

  • Wie können und sollen Erkenntnisse aus der Psychologie zu Online-Räumen (Stichwort „Zoom-Fatigue“) in die Gestaltung von Bildungsangeboten einfließen – was sind sinnvolle Konsequenzen?

  • Wie können Online-Räume gestaltet sein, welche Methoden können eingesetzt werden damit eine vertrauensvolle Begegnung zwischen den Teilnehmenden entstehen kann?

Diese Fragen werden die Arbeit des dig.lab im Jahr 2022 leiten.

Dabei versteht sich die Arbeitsgruppe dig.lab als Entwicklungs- und Denkwerkstatt, die in offene Diskursformate oder innovative Veranstaltungen mit Laborcharakter mündet. Bei diesen Veranstaltungen möchten wir Sie herzlich zum Mitmachen einladen!

Die nächste Gelegenheit gibt es in einer Online-Veranstaltung am 28. und 29. März 2022 zu den Wegen und Potentialen innovativer Lernräume.

Autor_innen: Arbeitsgruppe dig.lab (Birgit Aschemann, Gaby Filzmoser, David Röthler und Jeremias Stadlmair)

 


1 Siehe dazu auch Simone Müller und Birgit Aschemann (2021) im Digiprof-Beitrag „Hybride Meetings in der Erwachsenenbildung gestalten“, https://erwachsenenbildung.at/digiprof/neuigkeiten/15415-hybride-meetings-in-der-erwachsenenbildung.php

2 Siehe dazu bspw. die DigiTalk-Aufzeichnung mit David Röthler (2021) zum Thema „Technik und soziale Nähe“: https://erwachsenenbildung.at/digiprof/neuigkeiten/16062-kommunikation-in-videokonferenzen-verbessern.php  

4 Siehe dazu Martina Lindsberger und Simone Müller (2022) im DigiProf-Beitrag: Wie funktionieren Communities of Practice in der Erwachsenenbildung? https://erwachsenenbildung.at/digiprof/neuigkeiten/16807-communities-of-practice.php