Bildung – Medien – Demokratie

Demokratie ist in vielfältiger Weise auf ein robustes und qualitätsvolles Mediensystem angewiesen, aber auch auf Bürgerinnen und Bürger, die sich unter den vielen Angeboten zurechtfinden und Medieninhalte selbst bewerten und nach ihren Bedürfnissen mitgestalten können. Diskussionen um die gesellschaftlichen Auswirkungen von „Fake News“, die personalisierte Anzeige von Medieninhalten auf Suchmaschinen und Social-Media-Plattformen oder Diskriminierung durch Hass im Netz verdeutlichen eindringlich, dass die Fähigkeit zu einem kompetenten und kritischen Umgang mit Medien in unserer Gesellschaft immer relevanter wird. Technisch vermittelte Medien durchdringen zunehmend fast alle Bereiche des Alltags, bestimmen maßgeblich unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit und verändern so auch unser Handeln und unsere Beziehungen zu Anderen. Medien bilden somit eine Grundlage für das Verständnis von Demokratie und politischem Handeln.

In Anknüpfung an Paul Watzlawicks populären Satz: „Man kann nicht, nicht kommunizieren!“, lässt sich heute wohl sagen: „Wir können nicht, keine Medien nutzen!“

Die Erwachsenenbildung ist vor diesem Hintergrund gefordert die medialen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse aufzugreifen und Bürgerinnen und Bürger bei der diskursiven Gestaltung der Zukunft zu unterstützen. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit komplexen und herausfordernden Fragen und Zusammenhängen als Grundlage zum Weiterdenken und Orientierung zum Handeln. Medienmündigkeit meint in diesem Sinn Orientierungs-, Bewertungs- und Entscheidungsfähigkeit, aber auch die Auseinandersetzung mit Widersprüchlichkeiten und Ambiguitäten.

Welchen Ansprüchen muss Bildungsarbeit vor dem Hintergrund der voranschreitenden Digitalisierung entsprechen? Petra Missomelius1 (2022) bringt dies auf den Punkt, wenn sie meint: „Die zentralen Herausforderungen zur mündigen Orientierung im Binären liegen darin, die unsichtbar bleibenden techno-sozialen Prozesse sichtbar bzw. reflektierbar zu machen.“ Oder anders gesagt: Bildung muss heute dringender denn je Zusammenhänge von gesellschaftlicher und medialer Transformation thematisieren.

Ein konkretes Beispiel: Der verantwortungsvolle Umgang mit persönlichen Daten betrifft nicht nur Organisationen in ihrer Verwaltung. Gerade auch Lehrende müssen reflektieren können, warum sie welche Plattformen nutzen, welche Alternativen es gibt, wo Unterschiede liegen und warum die einfachsten Lösungen oft nicht die besten sind.

Zur vertiefenden Auseinandersetzung öffnet die Tagung Kritische Medienkompetenz 2022 Einblicke zu den Fragen:

  • Welche gesellschaftlichen Gruppen nutzen welche Medienangebote, mit welchen Konsequenzen und welche Veränderungen können dabei beobachtet werden?
  • Wie ist es um das Vertrauen in Medien bestellt?
  • Vor welchen strukturellen und institutionellen Herausforderungen stehen Medien in Österreich?
  • Welches Wissen benötigen Bürgerinnen und Bürger, um selbst die Bildungsinhalte verantwortungsvoll mitgestalten zu können?

 

Auf dieser Grundlage diskutieren wir welche Konsequenzen und Handlungsansätze sich daraus für die Erwachsenenbildung ableiten lassen:

  • Welche Bedeutung muss der Fähigkeit zur kritischen Reflexion von Medienangeboten und Mediennutzung im Sinne der Demokratiebildung zugemessen werden?
  • Wie reflektieren Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildner den Umgang und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Medien und ihren Strukturen?
  • Welche stimmigen Konzepte zur Vermittlung kritischer Medienkompetenz gibt es schon und auf welchen Ebenen können sie implementiert werden?
  • Welche Kooperationen könnten der Erwachsenenbildung helfen, um Medien- reflexionskompetenz in die Breite zu tragen?

 

1Missomelius, Petra (2022):
Bildung – Medien - Mensch. Mündigkeit im Digitalen. V&R unipress: Göttingen

Anmerkung: die Publikation gibt es hier zum freien Download:
https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/themen-entdecken/literatur-sprach-und-kulturwissenschaften/interdisziplinaere-geisteswissenschaft/56726/bildung-medien-mensch