Interview zum Lehrgang "Beraten.Coachen.Supervidieren"

Anfang Juli führte die neue Lehrgangsleiterin Dipl. Psych. Susanne Holzbauer ein Interview mit Dr. Karl Schattenhofer zur Geschichte und Entwicklung der Supervisionsausbildung am bifeb. Das Interview bietet interessante Einblicke in die Geschichte und Entwicklung der Supervisionsausbildung am bifeb.

Susanne Holzbauer: Wann hat der erste Lehrgang am bifeb stattgefunden? Wie ging es los?

Die Initiative für den ersten Kurs ging 1990 von Dr. Ernst Gattol aus, dem Leiter des bifeb. Er kooperierte dabei mit Prof. Dr. Karlheinz Geißler, der Mitglied im Verein TOPS Berlin e.V. war. Das gruppendynamische Konzept von TOPS wurde übernommen und angepasst. Ernst Gattol war selbst Teilnehmer des ersten Lehrgangs am bifeb.

Susanne Holzbauer: Wie hat sich der Lehrgang im weiteren Verlauf entwickelt?

Nach zwei Durchgängen übernahmen Prof. Dr. Winfried Münch und Prof.in Jutta Metschick-Bendele die Kursleitung. „Wer andere verstehen und beraten will, sollte sich erst einmal selbst verstehen“ war ein Leitsatz ihres psychoanalytischen und gruppendynamischen Ausbildungskonzeptes. Im Zentrum stand die Selbsterfahrung in der Seminargruppe in den fünf Trainingswochen. In Workshops wurden die Methoden, die theoretischen und praktischen Grundlagen erarbeitet und erprobt. Der Lehrgang wurde umbenannt in „Supervision und Coaching“.

Ab dem sechsten Durchgang wurde der Lehrgang am bifeb von Mag.a Ingeborg Melter betreut. Sie war selbst eine am bifeb ausgebildete Supervisorin. Sie sorgte großartig für Kontinuität und Weiterentwicklung.

Nach dem Ausscheiden von Winfried Münch und Jutta Menschick-Bendele am Ende des 9. Lehrgangs im Jahr 2014 wurde ich von der damaligen Leiterin des bifeb, Dr.in Margarete Wallman, angefragt, ob ich die Ausbildungsleitung übernehmen möchte. Das bifeb und der Ausbildungsgang waren mir bereits vertraut, weil ich bereits seit 2005 in allen Lehrgängen einzelne Workshops geleitet hatte. Das ehrenvolle Angebot nahm ich sehr gerne an.

Ich konnte Prof. Dr. Karin Lackner, emeritierte Professorin und langjährige Leiterin und Dozentin am Studiengang Supervision und Organisationsberatung an der Hochschule in Kassel, mit der ich dort bereits kooperiert hatte, für die gemeinsame Übernahme der Lehrgangsleitung gewinnen. Karin Lackner hat sich über die inhaltliche und wissenschaftliche Ausgestaltung des Lehrgangs hinaus besonders um die Vertretung des bifeb in der Ausbildungskommission der ÖVS verdient gemacht. Wir passten in unserer Unterschiedlichkeit nicht immer reibungslos, aber insgesamt sehr gut zusammen.

Susanne Holzbauer: Welche Änderungen haben den Lehrgang in der nächsten Entwicklungsphase geprägt?

Zusammen mit Ingeborg Melter haben wir ein neues zweistufiges Konzept der Weiterbildung „Supervision-Coaching“ entwickelt. Die Landschaft der Weiterbildungsanbieter für Supervision und Coaching in Österreich hatte sich zu dieser Zeit stark verändert und erweitert. Wir orientierten uns dabei erneut am Konzept des TOPS München-Berlin e.V., dessen Leiter ich war.

In der neu entwickelten ersten Stufe, die ein Jahr umfasst und ein Drittel des gesamten Lehrgangsumfanges ausmacht, geht es darum Beraten zu lernen. Beraten bedeutet ja nicht einfach „einen Rat zu geben“. Andere Menschen in einem Beratungsprozess bei der Entwicklung eigener Lösungen für ihre Fragen zu begleiten, ist eine höchst anspruchsvolle Aufgabe. Das zu lernen und in der eigenen Praxis anwenden zu können, darum geht es in der ersten Stufe.

In der zweiten Stufe, die sich über zwei Jahre erstreckt und zwei Drittel des Lehrgangsumfanges abdeckt, wird Supervision/Coaching gelehrt und gelernt: Zwei auf die Arbeitswelt und die Beratung in Organisationen bezogene Beratungsformate

Menschen, die bereits umfangreiche beraterische Kompetenzen erworben haben, können direkt in diese Stufe einsteigen.

Mit diesem Konzept haben wir bis Anfang 2026 drei Durchgänge durchgeführt. Insgesamt haben bisher ca. 220 Menschen in zwölf Lehrgängen die Ausbildung am bifeb absolviert.

Susanne Holzbauer: Was ist das Besondere am Supervisionslehrgang und wofür steht die Ausbildung?

Da möchte ich vier Aspekte besonders hervorheben:

1. Eine supervisorische Haltung entwickeln:

Wer bin ich in der Beratungssituation? Was wird von mir erwartet? Was kann ich, was (noch) nicht? Wie fülle ich als Person die Rolle des/der Berater: in aus? Wie verstehe ich die Situation der Supervisand:innen, was sehe ich, wo sind meine blinden Flecken? Welche Dynamiken nehme ich wahr, was wird ausgesprochen, was aber auch verschwiegen in Bezug auf die Personen, die Gruppen und Teams, die Organisationen in denen sich die Supervisand:innen bewegen.

Diesen Fragen nachzugehen und zugleich professionell mit der eigenen Ahnungslosigkeit zu Beginn von Prozessen umzugehen – das bedeutet, eine supervisorische Haltung zu entwickeln, die zur eigenen Person passt. 

Die Ausbildung Beraten. Coachen. Supervidieren. am bifeb ist nicht an einem bestimmten Beratungsverfahren orientiert wie das z.B. systemische, psychoanalytische, psychodramatische Weiterbildungen sind. Stattdessen liegt der Fokus auf einer methodenübergreifenden und flexiblen Herangehensweise.

2. Unbesprochenes besprechbar machen:

In der Supervision und im Coaching sollen Themen und Fragen angesprochen und bearbeitet werden, über die man im normalen Arbeitsalltag nicht sprechen kann, die dort aus der Kommunikation ausgeschlossen sind: das Gelingen oder Misslingen der Zusammenarbeit, die (Arbeits-)Beziehungen, Kritik und Anerkennung, die persönliche Betroffenheit bei der Arbeit mit Klient:innen, eigene Begrenzungen, Unsicherheiten und Hilflosigkeiten usw. Dafür ist die Ausbildungsgruppe der zentrale Lernort. In dem gruppendynamischen Lernsetting kann erfahren und geübt werden, wie man miteinander über solche Themen ins Gespräch kommt und wo die jeweiligen thematischen Grenzen liegen. In den Lehrgang sind drei gruppendynamische Trainingswochen und ein kontinuierliches „offenes Plenum“ bei den Workshops integriert. In diesem Plenum geht es um Selbsterfahrung und die Reflexion des Gruppenprozesses und die individuelle Arbeitsfähigkeit. Dies ist anspruchsvoll und herausfordernd, aber auch produktiv für das Lernen voneinander und miteinander, die Kursleitung eingeschlossen.

3. Von und mit den anderen Teilnehmenden lernen:

Die Teilnehmenden am bifeb stellen, nicht zuletzt durch die Möglichkeit des Quereinstiegs bei ausreichend Vorkenntnissen, eine besondere Zielgruppe dar: Das Durchschnittsalter liegt bei 45 – 50 Jahre. Es sind Personen mit langen Berufskarrieren, vielen Qualifikationen, die sich ein neues Tätigkeitsfeld eröffnen wollen und die sich Zeit für die eigene Orientierung und Entwicklung nehmen. Das bedeutet, dass die Teilnehmenden viel voneinander lernen können. Es waren immer selbstbewusste und neugierige Gruppen - auch für die Leitung in guter Weise herausfordernd.

4. Lernen an einem besonderen Ort:

Das bifeb am Wolfgangsee ist ein wunderbarer Ort für diese Art von Erwachsenenbildung. Sich in der schönen Umgebung ganz auf das gemeinsame Vorhaben einzulassen, wurde eigentlich immer angenommen. Dazu kommt die Funktionalität der Räume und der Abläufe, die geübte, aber immer persönliche und freundliche Routine des ganzen Betriebes. Das alles lässt einen immer gerne dort hinfahren. Dazu kommen viele Unterstützende wie Frau Schlick im pädagogischen Sekretariat, Frau Sarsteiner in der Bibliothek, der technische Dienst, die Damen in der Cafeteria. Und natürlich die jeweiligen verantwortlichen Referent:innen nach Ingeborg Melter: Thomas Stangl, Ondrey Lastovka und Verena Springer. Sie alle haben sehr viel zum Gelingen des Kurses beigetragen, am Gesamtkunstwerk mitgearbeitet. Herzlichen Dank.

Wie geht es weiter?

Es ist mir eine besondere Freude, dass es gelungen ist, keinen Bruch entstehen zu lassen, sondern bereits im letzten Kurs den Übergang zu einer neuen Lehrgangsleitung und neuen Referent:innen in die Wege zu leiten. Mit dir, Dipl. Psych. Susanne Holzbauer, Dr. Andreas Amann und Mag. Clemens Österreicher als Gruppendynamiker:innen und erfahrene Supervisor:innen wird die besondere Idee der Ausbildung am bifeb weitergetragen. Ihr seid startklar und freut euch drauf.

Ich wünsche dem gesamten neuen Lehrgangsleitungs-Team alles Gute und Gelingen für den nächsten Durchgang der Supervisions- und Coachingausbildung am bifeb.

Vielen Dank für die schöne Zeit und die erfüllende Arbeit.

Der 13. Lehrgang der Supervisionsausbildung Beraten. Coachen. Supervidieren. startet am 16. November 2026.

Für Interessierte findet am 1. September 2026 eine weitere Online-Informationsveranstaltung zum Lehrgang statt.

Foto: CC BY, TOPS