Programm "Reflexive Biographiearbeit"

Tagung, 8. – 10. März 2017

Mittwoch, 8. März 2017

Bis 14:00 UhrEintreffen und Registrierung
14:00 – 18:15 UhrEröffnung und Einführung, Bettina Dausien
Recherchen: Wer ist mit welchen Interessen da? Teilnehmende, Arbeitsfelder, Perspektiven
Referat und Respondenzen zum Thema „Biographieforschung – biographieorientierte Praxis.
Ansätze der Professionalisierung pädagogischer Arbeit“
18:30 Uhr Abendessen

Donnerstag, 9. März 2017

Im Mittelpunkt des Tages steht die Auseinandersetzung mit biographieorientierten Ansätzen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern in Form von Workshops.

9:00 – 9:15 UhrKurzvorstellung der Workshops
9:15 – 9:45 Uhr Impulsreferat: Merkmale und Dimensionen biographieorientierten Arbeitens in unterschiedlichen Feldern – Fragen und „Hinsichten“ für die Workshops, Bettina Dausien
10.15 – 12.45 UhrWorkshop 1: Life Writing – Writing Life. Schreiben als biographische Arbeit,
Daniela Rothe (Klagenfurt)
Workshop 2: Erzählcafés: Was biografie- und erzählorientierte Empowermentstrategien im Sozialraum bewirken können …, Gert Dressel (Klagenfurt/Wien) und Regina Meyer (Göttingen)
Workshop 3: Erfahrungen mit Pflege und Sorge – biographische  Reflexionen, Barbara Pichler (Wien) und Kirsten Sander (Dresden)
13:00 Uhr Mittagessen
14:30 – 17:00 UhrWorkshop 4: Autobiographisches Schreiben – anregen – verstehen – nutzen, Edith Auer (Wien) und Günter Müller (Wien) 
Workshop 5: Lebensgeschichten in der politischen Bildung – Potentiale ethnographischer Forschung für die pädagogische Arbeit mit Zeitzeug_innen, Julia Demmer (Wien)
Workshop 6: Gesellschaftliche Differenzen und Ungleichheiten reflektieren – Biographische Erfahrungen als Potenzial in der Bildungsarbeit, Dorothee Schwendowius (Flensburg) und
Rosemarie Ortner (Wien)
17.30 – 18:30 UhrSammeln, Reflexion und Ausblick
18:30 UhrAbendessen  
ab 20:00 UhrRaum für freien Austausch und Vernetzung

Freitag, 10. März 2017

09.15 – 10:45 UhrPodiumsgespräch und Diskussion im Plenum: Professionalisierung für biographieorientierte pädagogischer Arbeit mit Beiträgen von Helga Flörcken-Erdbrink (Bremen), Andreas Hanses (Dresden), Christiane Hof (Frankfurt), Regina Meyer (Göttingen), Norbert Reichling (Essen), Gerhard Riemann (Kassel), Daniela Rothe (Klagenfurt)
Moderation: Gert Dressel (Klagenfurt/Wien)
11:15 – 12:30 UhrReferat: Reflexive Biographiearbeit – Potenzial und Notwendigkeit einer Professionalisierung für biographieorientierte Arbeit in pädagogischen Kontexten, Bettina Dausien
Zusammenführung der Diskussion und Abschluss

Die Workshops

Um die Beschreibungen der Workshops lesen zu können, klicken Sie bitte auf den jeweiligen Titel.

W1: Life Writing – Writing Life. Schreiben als biographische Arbeit

Über die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen zu schreiben ist eine Praxis biographischer Arbeit, die auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Sie ist auch eine zentrale Grundlage zahlreicher Methoden des kreativen Schreibens. Nach einer kleinen Einführung werden wir gemeinsam Schreibmethoden auszuprobieren und reflektieren. Dabei soll es auch darum gehen, inwiefern biographisches Erzählen und biographisches Schreiben ähnliche und unterschiedliche Prozesse biographischer Arbeit ermöglichen und was das für den Einsatz dieser Methoden in Bildungskontexten bedeutet. Die geschriebenen Texte werden nicht vorgelesen.
Leitung: Daniela Rothe (Klagenfurt)

W2: Erzählcafés: Was biografie- und erzählorientierte Empowermentstrategien im Sozialraum bewirken können …

Sozio-demografischer Strukturwandel, globale Wanderungsbewegungen und populistische Hetze verändern die Koordinaten unserer Gesellschaft. Wie können wir in Wissenschaft, Bildungsarbeit, Politik, Verwaltung und auch als BürgerIn darauf reagieren? Biografie- und erzählorientierte pädagogischen Zugänge könnten gerade jetzt ein Weg sein.
Vor dem Hintergrund langjähriger Erfahrungen möchten wir mit euch Elemente der biografischen Methode in Erzählcafés selbst erfahren und sie sodann im Hinblick auf Handlungs- und Empowermentpotenziale reflektieren. Dabei werden wir unsere Arbeit mit SeniorInnen und mit weiteren Bevölkerungsgruppen in verschiedenen loka-len und regionalen Kontexten vorstellen.
Leitung: Regina Meyer (Göttingen) & Gert Dressel (Wien)

W3: Erfahrungen mit Pflege und Sorge – biographische Reflexionen

Im Rahmen des transdisziplinären Projektes „Who cares? Szenarien einer zukunftsweisenden Sorgekultur“ haben Personen (einem Schreibaufruf folgenden) ihre persönlichen Sorge- und Pflegeerfahrungen niedergeschrieben. Ausschnitte dieser autobiographischen Texte sollen im Workshop mit autobiographischen Stegreiferzählungen von Altenheimbewohnerinnen und Altenpflegerinnen kontrastiert werden. Vor dem Hintergrund biographietheoretischer Überlegungen wollen wir Materialausschnitte vergleichend interpretieren, um in einem weiteren Schritt Konsequenzen für eine biographieorientierte Professionalisierung in Pflege- und Sozialberufen zu diskutieren.
Leitung: Kirsten Sander (Dresden) & Barbara Pichler (Wien)

W4: Autobiographisches Schreiben – anregen – verstehen – nutzen

Das Schreiben über das eigene Leben entwickelt sich immer mehr zu einer allgemein verbreiteten Kulturtechnik. Die „Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen“ an der Universität Wien sammelt seit mehr als drei Jahrzehnten persönliche Erinnerungstexte als historische und kulturwissenschaftliche Dokumente und fördert deren Entstehen durch entsprechende Schreibaufrufe. Die Resultate werden wissenschaftlich ausgewertet und zu Sammeleditionen aufbereitet ─ wobei die Texturheber/innen ja nach Möglichkeit und Interesse auch in solche Prozesse eingebunden werden.
Der Workshop eröffnet Einblicke in diesen Austausch zwischen persönlicher Alltagspraxis und wissenschaftlichen Forschungs- sowie Bildungsansätzen. Konkrete Schreibappelle und eine ausgewählte Bandbreite an Ergebnissen sollen zur Reflexion der Voraussetzungen und Potenziale des autobiographischen Schreibens anregen. Exempla-rische Feinanalysen von autobiographischen Textpassagen können Praktiken der autobiographischen (Re-)Konstruktion verdeutlichen und ihre Relevanz in verschiedenen Praxisfeldern verdeutlichen.
Leitung: Günter Müller (Wien) & Edith Auer (Wien)

W5: Lebensgeschichten in der politischen Bildung – Potentiale ethnographischer Forschung für die pädagogische Arbeit mit Zeitzeug_innen

In diesem Workshop arbeiten wir gemeinsam an empirischem Material aus einer laufenden ethnografischen Studie zu Zeitzeug_innengesprächen mit Holocaust-Überlebenden in der schulischen und außerschulischen Bil-dung. Die Teilnehmer_innen erhalten einerseits Einblicke in ein spezifisches Feld biographieorientierter Bildungsarbeit, andererseits soll erprobt werden, wie die Arbeit mit Forschungsmaterial zur Reflexion pädagogischer Praxis beitragen kann. Dabei geht es nicht um die Bewertung besonders „gelungener“ oder „schwieriger“ Situationen oder gar um Vorbilder und Normen für eine „gute“ Zeitzeug_innenarbeit. Vielmehr werden Zeitzeug_innengespräche als soziale Interaktionsprozesse in spezifisch situierten Kontexten verstanden, gemein-sam analysiert und reflektiert. Ziel ist es, durch die Befremdung des vertrauten pädagogischen Blicks mit Hilfe der ethnographischen Methode neue Einsichten zu ermöglichen und die eigenen Denk- und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.
Leitung: Julia Demmer (Wien)

W6: Gesellschaftliche Differenzen und Ungleichheiten reflektieren – Biographische Erfahrungen als Potenzial in der Bildungsarbeit

Der reflexive Umgang mit sozio-kulturellen Differenzen, migrationsgesellschaftlichen und geschlechterbezogenen Machtverhältnissen stellt gerade für Professionelle in Bildungsberufen eine bedeutsame Dimension beruflichen Handelns dar. In dem Workshop werden die spezifischen Potenziale des Arbeitens mit biographischen Zugängen für die Auseinandersetzung mit sozialen Differenz- und Ungleichheitsverhältnissen gemeinsam ausgelotet: Inwie-fern können erfahrungsbezogene Zugänge und Erzählungen helfen, für soziale Ungleichheiten und Machtver-hältnisse zu sensibilisieren? Wie können sie dazu beitragen, gängige Typisierungen und Zuschreibungen aufzu-brechen und die eigene Praxis zu reflektieren? Welche Bedingungen sind für die Auseinandersetzung mit biogra-phischen Differenz- und Diskriminierungserfahrungen bedeutsam?
In der Arbeit an Beispielen werden biographieorientierte Zugänge erprobt und insbesondere im Hinblick auf ihre Möglichkeiten und Grenzen für die Professionalisierung von Pädagog_innen reflektiert.
Leitung: Dorothee Schwendowius (Flensburg) & Rosemarie Ortner (Wien)