Habitussensibilität für Beratende in der Bildungs- und Berufsberatung

Praxisreflexion mit Hilfe autoethnografischer Methoden zur habitussensiblen Bildungs- und Berufsberatung

Zentrale Informationen auf einen Blick

In der Bildungs- und Berufsberatung spielt der Begriff des Habitus, geprägt vom französischen Soziologen Pierre Bourdieu, eine zentrale Rolle. Der Habitus beschreibt die tief verankerten Denk- und Verhaltensmuster, die Menschen durch ihre Sozialisation entwickeln. Diese Muster beeinflussen nicht nur, wie Individuen ihre Umwelt wahrnehmen, sondern auch, wie sie in dieser agieren und welche Entscheidungen sie treffen. Der Habitus entsteht durch die Summe der Erfahrungen, die ein Mensch in seiner sozialen Umwelt macht – angefangen bei der Familie, über die Schule bis hin zu anderen gesellschaftlichen Institutionen. Diese Erfahrungen formen unsere Vorlieben, unsere Werte und unsere unbewussten Handlungsweisen. Im Kontext der Bildungs- und Berufsberatung ist es daher essenziell, den Habitus der Klient*innen zu verstehen, um ihre Entscheidungen und Handlungen nachvollziehen zu können.
Für Bildungs- und Berufsberater*innen bedeutet dies, dass sie ihre Beratungspraxis an den individuellen Habitus ihrer Klientinnen und Klienten anpassen müssen. Dies erfordert Empathie und die Fähigkeit, die Perspektiven der Klientinnen zu verstehen. Eine habitussensible Beratung erkennt die sozialen und kulturellen Hintergründe der Klient*innen an und arbeitet daran, Barrieren abzubauen, die durch den Habitus entstehen.
Im Kurs sollen die Teilnehmenden lernen, ihre eigene Beratungspraxis durch die Methode der Autoethnografie kritisch zu reflektieren. Die Autoethnografie ist eine qualitative Methode, die autobiografische Daten und ethnografische Forschungstechniken kombiniert. Sie ermöglicht es, eigene Erlebnisse und Reflexionen systematisch zu analysieren, um kulturelle, soziale und persönliche Aspekte des eigenen Lebens zu verstehen und zu interpretieren. Diese Methode ist besonders geeignet, um tiefere
Einblicke in persönliche und kollektive Identitäten, soziale Strukturen und kulturelle Praktiken zu gewinnen. Das subjektive Erleben wird durch systematische Selbstbeobachtung in Bezug zur eigenen soziokulturellen Umwelt gesetzt.

Habitussensibilität für Beratende in der Bildungs- und Berufsberatung

Dauer: 24.02.2025 bis 26.02.2025 Anmeldung bis: 10.02.2025 Referierende: Lisa Bock (ösb), Rudolf Götz (ösb)

Termine & Arbeitszeiten
Montag, 24. Februar 2025: 11:00 – 18:00
Dienstag, 25. Februar 2025: 09:00 – 18:00
Mittwoch, 26. Februar 2025: 09:00 – 17:00

Kontakt Regina Schusterbauer, regina.schusterbauer@bifeb.at , + 43 (0) 6137 6621 – 502

Teilnahmegebühr
€ 360,-

DETAILS ZUM PROGRAMM

INHALTE

In diesem Kurs wird die Bedeutung des Habitus nach Pierre Bourdieu für die Bildungs- und Berufsberatung behandelt. Die Teilnehmenden lernen, ihre Beratungspraxis habitussensibel anzupassen und Barrieren bzw. Schwierigkeiten, die sich u.a. durch Unterschiede im Habitus ergeben, zu erkennen und abzubauen. Mit Hilfe von autoethnografischen Methoden reflektieren die Teilnehmenden kritisch ihre eigene Praxis und gewinnen tiefere Einblicke in soziale und kulturelle Strukturen.

REFERIERENDE

Lisa Bock (ösb) Themen und Arbeitsschwerpunkte: soziale Ungleichheit mit Fokus auf Arbeit, Digitalisierung, Ethnizität, Geschlecht und Migration
Rudolf Götz (ösb) Themen und Arbeitsschwerpunkte: Durchführung und Leitung wissenschaftlicher Studien in den Feldern Arbeit, Bildung, Soziales – national/ transnational/ EU

METHODIK

  • Vorträge und Input-Referate
  • Arbeiten mit und an Praxisbeispielen
  • Gruppenarbeiten sowie anschließende Diskussionen inkl. Peer-Feedback

LERNERGEBNISSE

  • Vermittlung von Wissen über das Konzept des Habitus und dessen Relevanz in der Bildungs- und Berufsberatung
  • Schulung der Reflexionsfähigkeit der Berater*innen mittels autoethnografischer Methoden
  • Erreichen von Personen, die benachteiligten/bildungsfernen/prekären Milieus angehören

ZIELGRUPPE

Personen in der Bildungsberatung, Bildungsplanende, Trainierende in der Erwachsenenbildung und der Personalentwicklung


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